Mein Weg zur Homöopathie


Eigentlich hätte er leicht und gerade sein sollen, wurde ich doch schon als kleiner Junge homöopathisch behandelt. Doch es sollte zunächst anders kommen. Ich studierte Medizin, und das Fach „Homöopathie“ wurde in der Vorlesung über Pharmakologie in einer (!) Stunde abgehandelt – und das auch noch mit Ironie.
So war Homöopathie für etwa 2 Jahrzehnte überhaupt nicht in meinem Gesichtsfeld. Fragte mich einmal ein Patient, ob er begleitend ein homöopathisches Arzneimittel nehmen könne, so erlaubte ich es ihm nachsichtig – und schüttelte innerlich meinen Kopf...
Das wurde anders, als ich als Oberarzt einer großen internistischen Abteilung begreifen musste, dass ich hier oftmals nur der Leiter eines „Symptomverschiebebahnhofs“ war: kaum jemand wurde wirklich gesund – die Menschen wurden nur anders krank.
Jetzt war der Augenblick gekommen, mich nach einer Methode umzusehen, die einen ganzheitlichen Ansatz bot. Wo eine Heilung sozusagen von innen heraus stattfindet, und nicht nur (äußere) Symptome unterdrückt werden, das zugrundeliegende Kranksein aber nicht geheilt wird, sondern sich an anderer Stelle in der Verkleidung einer scheinbar neuen Erkrankung zeigt.
An diesem Punkt angelangt lernte ich die Homöopathie kennen, die mir einen ganzen Kosmos neuer Möglichkeiten erschloss.

Durch gezielt eingesetzte und nach den Regeln der klassischen Homöopathie ausgewählte Arzneimittel wird die Selbstheilungskraft des Menschen angeregt.
Dadurch ist oft eine wirkliche Heilung möglich, manchmal gelingt - je nach Art und Schwere - nur eine Linderung der Erkrankung. Gelegentlich ist aber auch die Hilfe der klinischen Medizin unverzichtbar.

Meine Haltung gegenüber Homöopathie und klinischer Medizin ist kein „Entweder-Oder“ sondern ein „Sowohl-als-Auch“. Das entscheidende Wort lautet hier Dialog.
Als homöopathischer Arzt und Facharzt für Innere Medizin und Radiologie kenne ich die Grenzen der jeweiligen Methoden und werde nicht an Stellen homöopathisch behandeln, wo ganz klar eine Therapie in klinischer Medizin angezeigt ist. Andererseits gibt es aber eben sehr viele körperliche Erkrankungen, bei denen die klinische Medizin mit dem Rücken zur Wand steht und außer Symptomunterdrückung wenig zu bieten hat, was zu einer echten Heilung beitrüge.
Und hier sehe ich die Homöopathie gefragt, die ich dann mit meiner Erfahrung anwende.





Homöopathie

Das Wort Homöopathie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus zwei Begriffen zusammen: homöos, was ähnlich, pathos, was Leiden bedeutet. Sinngemäß bedeutet dies, dass Leiden oder besser "Krankheit mit etwas der Krankheit Ähnlichem behandelt werden soll". Mit diesem Leitsatz stellt sich die Homöopathie als eigenes Lehrgebäude schon zu Zeiten Ihres Entdeckers Samuel Hahnemann (1755-1843) als Kontrapunkt zu den damals bereits bekannten schulmäßig ausgeführten Heilmethoden dar. Hier erkennt man, dass Homöopathie nicht, wie vielfach angenommen, der Sammelname für eine Reihe "naturheilmedizinischer" Heilungsverfahren ist, sondern sondern ein eigenständiges, klar umrissenes Behandlungskonzept darstellt.

Der Gesetzgeber hat in seinen entsprechend formulierten Rahmenvorschriften des Heilverfahren der Homöopathie in die Rubrik "Besondere Therapierichtungen" namentlich unter seinen besonderen Schutz gestellt.

Homöopathische Arzneien stammen von Pflanzen, Tieren und von chemischen Verbindungen. Sie werden gemäß vorgegebenen gesetzlichen Standards hergestellt. Ihre Anwendung ergibt sich aus den schon bei Hahnemann beschriebenen Arzneiversuchen am gesunden Menschen. Ihre Effektivität hat sich, richtige Arzneiwahl vorausgesetzt, in den vergangenen 2 Jahrhunderten bei akuten, chronischen wie auch epidemischen Krankheiten hinreichend erwiesen. Bis auf wenige Ausnahmen wird Homöopathie in der ganzen Welt betrieben. In Deutschland gibt es derzeit gut 3000 praktizierende homöopathische Ärzte, die - niedrig gerechnet - etwa eine Million Patienten behandeln.

Während sich die konventionelle Therapie in der Behandlung auf die klinische Diagnose stützt und das Persönliche des Erkrankten im Hintergrund steht, verlangt die Homöopathie vom Arzt genau den umgekehrten Weg, nämlich den Patienten genau zu kennen, das Wissen um die Art, wie er ganz individuell seine Erkrankung umsetzt. So werden bei der Wahl des Heilmittels nicht nur die Lokalsymptome, sondern Temperament, Ess-, Trinkverhalten, sozialer Umgang, Ängste etc. mit zur Therapiewahl herangezogen.

Diese Befragung des Patienten, Erstgespräch oder Anamnese genannt, nimmt besonders bei chronisch kranken Patienten einige Zeit in Anspruch, klärt aber so oft die Hintergründe der Erkrankung oder lässt sie in einem neuen Licht erscheinen. Diese Art der Behandlung ist fraglos zeitaufwendig, aber spannend, da jeder als Individuum gesehen oder behandelt wird. Je präziser auf diese Art das Heilmittel erarbeitet wird, je ähnlicher es Krankheit und Menschen ist, umso klarer wird die Heilung eintreten. So kann man sagen, dass Homöopathie im besten Sinne Ganzheitsmedizin darstellt.

Homöopathie hat ihre Grenzen in der Diagnose (Knochenbruch, durchgebrochenes Magengeschwür, insulinpflichtiger Diabetes o.ä.), in der Zerstörung von Organstrukturen und in der mangelnden Reaktionsfähigkeit Schwerstkranker.

Auch schwere akute Erkrankungen können in der Hand des Erfahrenen mit Homöopathie oft glänzend behandelt werden. Um den Patienten vor Risiken zu bewahren, also eine saubere Abwägung des Fallverlaufes und der möglichen schulmedizinischen Behandlung bei Nichtansprechen der Behandlung betreiben zu können, bedarf es einer guten und umfangreichen schulmedizinischen Ausbildung.
Der mündige Patient entscheidet selbst, in wessen Hände er sich begibt.